IPFires treuer Weggefährte Intel D2500CCE

Den Techniknischen ist gemein, dass es immer diese kleinen besonderen Entwicklungen gibt. Um ein solches Produkt soll es hier gehen. Obgleich nach modernem Dafürhalten das Intel D2500CCE mit seiner Marktvorstellung vor knapp zehn Jahren gemeinhin als hochbetagt gilt, so greife ich nicht ohne Grund für ein kleines Bastelprojekt rund um die Firewall IPFire zum famosen Mini-ITX Mainboard.

Mittlerweile ist das PCB schwerlich in Gebrauchtbörsen erhältlich, auch ohne politikergemachte Apokalypse und Lieferkettenzusammenbrüche. Wenn doch, dann mit etwas Glück für 20 EUR. Oder auch, jetzt wird’s verrückt, gerne einmal für 200 EUR. Diese preisliche Skurrilität unterstreicht die Besonderheiten dieser wunderbar designten und für den Dauerbetrieb hochgradig geeigneten Hardware. Das von Intel im Jahr 2011 auf den Markt gebrachte Board hat eine fest auf das Board aufgelötete Intel Atom D2500 CPU mit zwei Kernen zu je 1,86 GHz und einen passiven Kühlkörper obendrauf. Ebenfalls gleich vorweg: Intel D2500CC und D2500CCE sind dasselbe. Das E am Ende markiert lediglich Intels Einordnung zum sogenannten ELP Produkt (Extended Life Plan) mit mindestens dreijähriger Verfügbarkeit.

Was schlecht ist

Rein technisch gesehen ist das in die Jahre gekommene Board keineswegs des Frohlockens Grundlage. Die CPU würde man für ein aktuelles Desktop-System nicht haben wollen! Das Fehlen eines HDMI Ports bestätigt das nur. Die zwei SO-DIMMs arbeiten lediglich mit DDR3-1066/800, SATA II (300 MB/s) lässt das Potential einer aktuellen SSD ungenutzt und der Mini-PCIe-Anschluss auf dem D2500CCE kann das Fehlen eines richtigen PCIe Slots nicht kompensieren. Wenn man stattdessen den weißen PCI-Sockel sieht, dann möchte man irgendwo aus der Haut fahren. 🙂

Was gut ist

Trotzdem ist das Intel Intel D2500CCE noch immer eine gute Empfehlung, wenn eine IPFire Installation mit lediglich grüner und roter Zone aufgesetzt werden soll. Die zwei montierten Gigabit Ethernet Buchsen werden vom Intel 82574L orchestriert. Das ist ein in 2008 eingeführter Gigabit Ethernet Controller, welcher robust arbeitet und von jeder möglichen und unmöglichen Software bestens unterstützt wird. Der zwei Intel Gigabit-Ports wegen und nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, das D2500CCE problemlos headless zu betreiben, schätze ich dieses Mini-ITX Board so sehr als Hardwarebasis für eine simple Linux Firewall Appliance.

Vom wahren Hersteller und der wahren Bestimmung

Kinder, jetzt gibt’s passend zur apokalyptischen Gegenwart ein wenig Homeschooling. Geschichtsunterricht! 🙂 Gefertigt wurde das Intel D2500CCE seinerzeit vom Taiwanesischen Industrieriesen MiTAC. Und jetzt das herrliche Schmankerl: Mitac vertreibt das Board auch mit eigenem Label als MiTAC PD12TI cc. Immer noch neu bestellbar für gut 180 Dollars. Absolut baugleich zum D2500CCE wohlgemerkt.

Obgleich von Intel ARK als Desktop Board ausgewiesen, so ist das D2500CCE wohl von vornherein weniger für den Privatanwender designt worden, als vielmehr für Industrie (RS232 Ports) und Handel (LVDS). Das downloadbare Handbuch zum D2500CCE räumt alle Zweifel aus, schaut es dir unbedingt an! So nämlich muss ein Mainboard Handbuch sein! Darin gibt’s nämlich richtige Informationen: Maße, Temperaturen, Spannungen, Stromstärken, Polaritäten, genaue Informationen zu Bausteinen, detaillierte Kühlungsvorschläge, Angaben zur Vibrationsverträglichkeit verpackt und unverpackt, zu jedem panel header eine unmissverständliche Grafik mit genauer Beschreibung jedes einzelnes Kontaktstiftes, Address Ranges dezimal und hexadezimal … EIN Nedžad MEGA-BEGEISTERTES WOW, so sollte jedes Handbuch zu jedem technischen Gerät sein!

Klar gibt es mittlerweile modernere Stromspar-Boards mit fest aufgebrachten CPUs bzw. APUs, aber die sind entweder deutlich teurer und/oder machen richtig Probleme (headless Betrieb nicht möglich, noch mangelhafte Unterstützung durch die Distributionen). So habe ich durchaus das von mir schon hochgelobte und auf diesem Blog hier und hier vorgestellte Supermicro A1SRi-2758F auf dem Schirm, ebenfalls Mini-ITX, Quad Gigabit Ethernet, 8-Kern Atom und maximal 64 GB DDR3 ECC RAM. Aber solch ein für Virtualisierung ausgelegter Bolide ist für ein reines Firewall-Projekt schlicht to much. Außerdem käme der, für eine Firewall eigentlich überflüssige, ECC-Speicher kommt dann preislich noch obendrauf.

Mit dem D2500CCE hat man also eine, mit etwas Glück günstig auf dem Gebrauchtmarkt erhältliche, solide Basis für ein kleines IPFire Setup. Gut abgehangen und bestückbar mit ausrangierten 1,5 bzw. 1,35 Volt SO-DIMM Modulen aus iMac oder Mac Mini. Manchmal ist das Leben ganz einfach.

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