Über jene User, welche sich in den Fuß schießen

‘Widersprüchliches Verhalten’ ist es, was uns immer wieder die Köpfe schütteln lässt. Nicht nur im gegenwärtigen Getöse unserer Obrigkeit und ihrer medialen Erfüllungsgehilfen, sondern auch in der Computerei. Da draußen gibt’s Computerbegeisterte, die in Sachen Computersicherheit wahrlich nicht als Ignoranten zu bezeichnen sind. Sie vermeiden Windows, sie nutzen kein Dropbox, kein Evernote, keine iCloud und keine ähnliche Geschichten, halten ihre Systeme und Anwendungen frisch, Sicherheitsmitteilungen im Lieblings-Computermagazin werden tatsächlich gelesen und sogar die Logfiles werden ab und an mal überflogen. Und trotzdem wird sich in den Fuß geschossen.

Weiter unten in der Hierarchie gibt’s dann das Windows-Volk. Seelenruhe wird mit dem Kauf einer teuren/ressourcenfressenden/sinnlosen McSperskiAntiIrgendwas-Suite (Schlangenöl) erkauft. Der Browser ist nahezu handlungsunfähig, weil vollgepropft mit vermeintlich sicherheitssteigernden Plug-ins. Alle Tipps aus den diversen Computer-Schmuddelheftchen-Heftchen vom Kiosk, um ein garantiert sicheres Windows zu haben, wurden selbstredend eingepflegt. Ja ja, wir schmunzeln aus hoher Warte über diese spezielle und doch weit verbreitete Nutzerspezies, aber für sich hat natürlich auch diese Gruppierung eine gewisse Daseinsberechtigung. Auch diese Leute schießen sich in den Fuß.

Dann sind da noch die Blogger, Seitenbetreiber und Admins. Ganz egal, auf welchem Level sie operieren, sie kümmern sich und tun viel für einen robusten und sicheren Betrieb. Richtig geraten: Auch die schießen sich in den Fuß.

All diejenigen mit Loch im Fuß, gleich welcher der drei vorgenannten Kasten angehörig, haben denselben Fehler begangen. Im völligen Widerspruch zur ihrer üblichen Sensibilität in Dingen der Computer- und Netzwerksicherheit wurden aus den Peer-to-Peer-Netzen diverse Apps, Gamez und Scripts geladen und aufgespielt.

Man kann es den Leuten noch so oft predigen. Dass wir im goldenen Zeitalter leben. Dass es bis zum geht-nicht-mehr für jeden Zweck und für jedes System quelloffene, sauber gemachte, vertrauenswürdige und dabei oft kostenlose Software gibt. Oder wenn’s etwas Geld kosten darf, absolut empfehlenswerte Software für wenige Silberlinge als Alternative zu den üblichen (piratierten) ‘Premium’-Produkten genannt werden kann. Bestes Beispiel ist Pixelmator Pro als Alternative zum Adobe Photoshop. Der Pixelmator kostet einmalig im Mac App Store ein paar Euro und ist zudem für 99 Prozent der Privatanwender ein absolut ausreichendes und großartiges Bildbearbeitungstool. Doch es hilft nichts. Allesamt müssen sie aus Schaden klug werden. Da werden stattdessen große Windows-Spiele als Schwarzkopie aus dem Netz geholt, einfach mal eben so installiert und, als wäre es schon nicht fürchterlich genug, mit ominösen Crackz spielbar getrimmt. Dasselbe passiert mit Anwendungssoftware, gerne auch auf dem Mac.

Der Wahnsinn! Schließlich können in solch großen Binärpaketen ganze Flugzeugträger versteckt werden! Selbes gilt auch für Wordpress-Themes mit hunderten PHP-Dateien und mehreren Megabytes Umfang. Auch wenn man damals nicht mit wenigen Kilobytes großgeworden sein sollte und somit das rechte Gefühl für Datenmengen fehlt, müsste man das doch begreifen können. Die Bösen da draußen wollen sich genau so möglichst viele Computer unbedarfter Nutzer zueigen machen. Sie präparieren die Köder und stellen diese in die Peer-to-Peer-Szene. Selbstverständlich wollen diese Schergen ebenfalls Webseiten übernehmen und sich die Rechenpower und ganz besonders die Bandbreite der Server einverleiben. Dazu werden seitens dieser findigen Halunken kommerzielle WordPress-Themes hergenommen und mit Schadsoftware und/oder Backdoors versehen, um danach ebenso in den Tauschbörsen auf ihre Opfer zu warten. Diese böse Individuen gibt es da draußen massig und diese Leute tun nix anderes, als ständig und aktualisiert die Downloader mit frischen Appz, Gamez und Scripts zu ‘versorgen’.

Woran liegt es, dass die Leute ein Netzteil für 150 EUR und eine Grafikkarte für 800 EUR in den Rechner stecken, sich dann aber, nur um die 40 oder 50 EUR für ihre täglich genutzte Anwendung zu sparen, mit der vorgenannten Eselei für Monate bzw. Jahre einen Sklavenrechner im Dienste der Internetkriminellen unserer Welt zaubern?

Jedenfalls mag ich das Wehklagen und Jammern nicht mehr hören, wenn der Fuß wehtut … 😉

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