Vom Phänomen der Yu-Gi-Oh! Trading Cards

Wann es genau angefangen hat, das zu sagen fällt mir mittlerweile schwer. Irgendwann jedenfalls haben unsere Kinder für sich eine Parallelwelt namens Yu-Gi-Oh! entdeckt, zu der wir dröge Erwachsene keinen Zugang erhalten.

Es geht hier oftmals um Angriffs- und Verteidigungspunkte und spätestens mit Blick auf den Bildschrim, egal ob TV-Serie oder Konsolenspiel, wird offenbar, dass es martialisch zur Sache geht und ein ungutes Gefühl stellt sich ein. Aber wenn es an allen Fronten akzeptiert ist, gesellschaftlich sanktioniert scheint, tritt man als Eltern auf der Stelle.

Das Phänomen, dieser auf einer populären japanischen Manga-Serie basierenden Sammelkarten, ist derart raumgreifend, dass die Kids auf den Schulhöfen, Spielplätzen und in den Kinderzimmern eifrig das komplexe Tauschen praktizieren. Hierzu unbedingt erforderliche Kompetenzen werden durch Yu-Gi-Oh!-Magazine erworben, welche überall im Zeitschriftenhandel völlig überteuert in der Höhe von Kinderhänden greifbar sind.

Diese durch eine raffinierte Merchandising-Industrie gut informierten Kinder lassen dann auch keinen Zweifel darüber, welche Decks, Tin-Boxen, Einzelkarten, Yu-Gi-Oh!-DVDs und Konsolenspiele ihrer Anschaffung harren. Und ist das Taschengeld mal temporär aufgebraucht und die Spendabilität der Eltern kurzfristig versiegt, so werden diverse Entzugserscheinungen durch scheinbar rund-um-die-Uhr laufende Yu-Gi-Oh! Manga-Filmchen im TV gemildert.

Soll man sich also über die Befähigung zur Recherche und den technischen Sachverstand freuen, wenn ein 9-jähriger mit Akribie und beachtlichem Sachverstand stundenlang die Auktionsplattform eBay nach Yu-Gi-Oh!-Utensilien durchforstet? Ist es nicht freudig zur Kenntnis zu nehmen, wenn der Kleine so nebenher die Vertrauenswürdigkeit eines eBay-Händlers zu bewerten versteht? Hat die Gemeinschaftsbildung durch das permanente Tauschen nicht einen eigenen Wert?

Wir wissen es nicht. Ein ungutes Gefühl bleibt.

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